Geschichte sichtbar machen

15.06.2026 | Allgemein

Wie macht man Geschichte sichtbar? Wie kann eine Gemeinde mit einem schwierigen Kapitel ihrer Vergangenheit umgehen? Und welche Chancen entstehen daraus fĂŒr Bildung, Begegnung und Erinnerung?

Mit diesen Fragen beschĂ€ftigten sich kĂŒrzlich 21 von 29 Leobersdorfer GemeinderĂ€tinnen und GemeinderĂ€ten bei einem Informationsabend im Rathaus. Auf Einladung von BĂŒrgermeister Andreas Ramharter und gfGR Jasmin Narbeshuber informierten Expertinnen und Experten des Mauthausen Memorials ĂŒber die Geschichte des ehemaligen KZ-Frauenlagers Hirtenberg auf Leobersdorfer Ortsgebiet sowie ĂŒber Möglichkeiten zeitgemĂ€ĂŸer Erinnerungsarbeit.

Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die historische Aufarbeitung, sondern auch die Frage, wie Gemeinden heute Verantwortung fĂŒr ihre Geschichte ĂŒbernehmen können. Anhand von Beispielen aus Melk, St. Aegyd, Guntramsdorf und Wiener Neudorf wurde gezeigt, wie ehemalige Lagerstandorte zu Orten des Lernens, der Begegnung und des Gedenkens geworden sind. Bildungsangebote fĂŒr Schulen, gefĂŒhrte RundgĂ€nge, kulturelle Projekte oder Begegnungen mit Angehörigen ehemaliger HĂ€ftlinge tragen dort dazu bei, Geschichte lebendig und verstĂ€ndlich zu vermitteln.

Besonderes Interesse galt dem ehemaligen Frauen-KZ in Leobersdorf. Viele GemeinderÀtinnen und GemeinderÀte erhielten erstmals vertiefte Einblicke in die Geschichte des Lagers und in die Schicksale jener Frauen, die dort inhaftiert waren.

„Wir haben gesehen, dass es viele Möglichkeiten gibt, Geschichte sichtbar zu machen – nicht belehrend, sondern so, dass Menschen verstehen können, was hier passiert ist und warum sich andere Orte seit Jahren damit beschĂ€ftigen“, betont Jasmin Narbeshuber.

Auch Barbara GlĂŒck, Leiterin des Mauthausen Memorials, zeigte sich nach dem Abend optimistisch: „Dass man einen Schritt aufeinander zugemacht hat, war sehr positiv. Man informiert sich gegenseitig: Was sind die Erwartungen? Was sind die BefĂŒrchtungen? Was ist damals passiert und wie können wir heute damit umgehen? Ich hoffe, dass hier etwas entstehen kann. Den ersten Schritt haben wir heute gemacht.“

Der Informationsabend markiert den Beginn einer engeren Zusammenarbeit mit dem Mauthausen Memorial. Ziel ist es, gemeinsam auszuloten, wie dieses bislang wenig sichtbare Kapitel der Leobersdorfer Geschichte kĂŒnftig stĂ€rker ins öffentliche Bewusstsein gerĂŒckt werden kann – durch Information, Begegnung und Projekte, die Geschichte mit der Gegenwart verbinden.

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